Der Kompetenzbegriff im Spannungsfeld von Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaft

Regina Vogt

Abstract


Zusammenfassung. Das Verhältnis von Waldorfpädagogik und akademischer Erziehungswissenschaft war in der Vergangenheit oft wechselseitig von Desinteresse und Ignoranz geprägt. Angesichts der Bedeutung von Bildung in unserer sich rasch verändernden Welt erscheint es aber angebrachter, Trennendes zurückzustellen und stattdessen Dialog und Austausch zu suchen. Die aktuelle erziehungswissenschaftliche Diskussion um den Kompetenzbegriff scheint für einen Annäherung- und Verständigungsprozess geeignet zu sein, denn Waldorfpädagogik muss sich ebenso wie Erziehungswissenschaft verstärkt mit den gegenwärtigen Aufgaben und Zielen von Bildung auseinandersetzen und entsprechende Schlussfolgerungen für schulische Lernprozesse ziehen. Im Gegensatz zum traditionellen Bildungsbegriff der Erziehungswissenschaft, der das „Person-Werden“ und die selbstbestimmte Entfaltung des Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat, werden Kompetenzen heute vorwiegend als nützlich und funktional begriffen. Das darf jedoch nicht so verstanden werden, dass individuelle Interessen den Interessen von Wirtschaft und Politik Folge zu leisten haben und sich anpassen müssen. Wichtig ist vielmehr – sowohl aus der Perspektive der akademischen Erziehungswissenschaft als auch der Waldorfpädagogik – theoretische und praktische Ansätze dafür zu finden, dass zu erlernende Kompetenzen in erster Linie den Lernenden, nämlich ihrer selbstbestimmten Entfaltung zugutekommen.

Abstract. In the past, the relationship between Waldorf education and academic educational science was often characterized by mutual indifference and ignorance. Considering the significance of education in our rapidly changing world, initiating dialogue and exchange rather than cultivate differences seems to be advisable. The current discussion in educational science about the concept of competence might offer a new approach and more understanding. Waldorf educational methods and academic educational science have to address the same challenges and goals in education and to find new solutions for the learning process. Contrary to the traditional concept of education in educational science, aiming at „becoming a person“ and focusing on the self-determined personal development, today skills and competence are understood as being useful and functional. However, this is not supposed to mean that the personal interests of an individual are to be subordinated to the interests of business and politics. From the perspective of both educational science and Waldorf education, it is important to find theoretical and practical methods of working with the notion that skills which need to be acquired are beneficial to learners, in particular for their personal self-determined development.

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