Multikulturelle Erziehung oder Bildung der Weltbürger?

Wolfgang Nieke

Abstract


Der menschenrechtlich allgemein geforderte Respekt vor den Minderheiten und ihren Weltorientierungen, d. h. Lebenswelten und Kulturen, hat zu der Überlegung geführt, dass die sich bisher kulturell homogen definierenden (National-)Staaten auf die kulturelle Hegemonie ihrer Mehrheiten verzichten und einen offiziellen Minderheitenschutz dahingehend einrichten, dass die Gruppen ihre besonderen Lebensformen innerhalb einer wertschätzenden und toleranten multikulturellen Gesellschaft leben dürfen. Daraus entstanden Ansätze von multicultural education und in Frankreich und Deutschland Interkulturelle Erziehung und Bildung. Inzwischen wird dieses Konzept immer häufiger in Frage gestellt und mit Verweis auf die Universalität der zwischenstaatlich weltweit anerkannten Menschenrechte gefordert, alle Lebensformen hätten sich daran auszurichten, weil alles andere unmenschlich sei. Das neue Ideal erinnert an den antiken Kosmopoliten, einen Weltbürger, der sich überall zurechtfindet und der eine Bildung vorweisen kann, die überall Akzeptanz findet. Kritiker dieses Denkens werfen ihm Eurozentrismus vor, und hierüber gibt es bisher noch keine allgemein anerkannte Übereinkunft. In diese unaufgelöste Spannung hinein muss heutige Pädagogik ihre Bildungsunterstützung platzieren.

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