Oberstufenunterricht an der Waldorfschule: Kognitive Herausforderungen für das verkörperte Selbst Teil II

Wilfried Sommer

Abstract


Zusammenfassung. Die Unterrichtsprozesse in der Oberstufe Freier Waldorfschulen weisen spezifische Merkmale auf: Sie wenden sich z.B. an heterogene Lerngruppen und legen dort das Lernen so an, dass es sich zu einem Verständigungsprozess mit der Welt und mit sich selbst entwickeln kann. Die didaktische Aufbereitung der Unterrichtsinhalte muss das nicht nur zulassen, sondern auch das verkörperte Selbst mit seinen unterschiedlichen Lebensmodi berücksichtigen. Dieser Rahmen soll in der Sprache der phänomenologischen Anthropologie charakterisiert werden. Die Dialektik von zentrischer und exzentrischer Position wird ebenso wie die Rolle von eingebundener und abgelöster Perspektive thematisiert.
Im ersten Teil dieser Arbeit ( vgl. RoSE Nr. 1/2010) kommen nicht nur die Unterrichtsprozesse zur Sprache, sondern auch deren philosophisches Umfeld. An zwei konkreten Unterrichtsbeispielen wird dann der entsprechende Weg in die pädagogische Praxis verdeutlicht. Im zweiten Teil sollen die Unterrichtsmethodik untersucht werden. Hier wird es um die Frage gehen, wie Schülerinnen und Schüler durch die Unterrichtspraxis ihr Bedürfnis nach intellektueller Verortung auch auf sich als verkörperte Personen beziehen und damit ein Denken entwickeln können, das sie nicht von sich als Personen entfremdet, sondern vielmehr ihr verleiblichtes personales Dasein in Zusammenhänge stellt.

Schlüsselwörter: Waldorfpädagogik, Physikunterricht, Didaktik, Experimentieren, Phänomenologie.

Abstract. The processes at work in Steiner Waldorf (hereafter ‘Waldorf’) upper school teaching show specific characteristics. They address, for example, heterogeneous learning groups, structuring the learning process in a manner that engenders in the student communication with the world and with themselves. The didactic preparation of teaching material should not merely facilitate this but also consider the embodied self with its diverse life modes. This process shall be considered in the language of phenomenological anthropology. The dialectics of the centric and eccentric positions will be the subject of discussion as will be the significance of engaged and detached perspectives.
Part I of this article (RoSE Nr. 1/2010), discusses not only the teaching processes but also their philosophical setting. Two concrete examples from the classroom illustrate how this then translates into the appropriate path in practical teaching. Part II of this article will examine classroom methodology. This will discuss how classroom practice can help students, as embodied persons, to relate to their need for intellectual positioning and thus develop a way of thinking that does not alienate them from themselves as persons but puts their embodied, personal existence into context.

Keywords: Waldorf education, Physics teaching, Didaktik, Experiment, Phenomenology

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© 2010-2019 Research on Steiner Education (RoSE). ISSN 1891-6511 (online). Hosted by the Rudolf Steiner University College, Norway and by the Alanus University of Arts and Social Sciences, Germany and the Pedagogical Research Institute of the German Waldorf School Association